· 

Wie hoch ist Wahrscheinlichkeit "beim Scheissen vom Blitz getroffen" zu werden?

Der aus dem bayerischen Sprachraum stammende Fäkal-Fluch, mit dem man seinem ärgsten Widersacher und Feind das Schlimmste wünscht, scheint auf den ersten Blick statistisch eher selten einzutreten.

 

Nun, mich hat es erwischt!

 

Am letzten Tag im Greifswalder Uniklinikum passierte das, was ich seit 2006 immer ganz bewusst verhindern wollte: Eine sehr gut klebende  EKG-Klebeelektrode, die blöderweise direkt auf meinem Defibrillator positioniert war, wurde recht rabiat heruntergerissen. Genau soetwas sollte eigentlich in einem Krankenhaus nicht vorkommen, aber bei mir Glückspilz war es eben so. Es fühlte sich so an, als ob am Elektrodenpflaster der ganze Defi hängen geblieben ist. Ich habe mir erstmal nichts dabei gedacht, aber mitten in der Nacht auf dem Weg ins Bad, erwischte es mich das erste Mal als ich den Lichtschalter betätigte. Schlaftrunken dachte ich zuerst, ich hätte einen Stromschlag vom Schalter bekommen. Als mich mich einigermaßen vom ersten "Schock" erholt hatte, war mir jedoch klar, das hier etwas am Defi nicht in Ordnung war, denn ich hatte keine Arrhytmien und schon gar keine Tachykardien. Es folgten dann in den nächsten Stunden noch 11 weitere Schocks aus heiterem Himmel und alle waren inadäquat, d. h. sie hatten keinen "kardiologischen" Grund. Besonders in Erinnerung blieb mir der letzte Defischock als ich gerade auf der der Toilette saß!

 

Schnell hatte ich die Vermutung, dass es sich um einen Elektroden- bzw. Kabelbruch handeln muss- ausgelöst durch die rabiate Pflasterentfernung. Nach 8 Tagen Aufenthalt in der Greifswalder Klinik ging ich direkt am nächsten Morgen nach langer Autofahrt in fast 600 km Entfernung bei mir am Wohnort zum Kardiologen, der meinen Verdacht bestätigte und mich gleich mit dem Rettungswagen zum nächstgelegenen Krankenhaus bringen ließ. Dort lag ich dann unter recht bescheidenen Bedingungen und "ans Bett gefesselt", aber mit deaktivierten Defi auf einer Überwachungsstation. Operieren lassen wollte ich mich dort im Provinzkrankenhaus aber keinesfalls und so musste ich fünf Tage (auf einen Operationstermin wartend) ausharren, bevor ich 3,5 Stunden liegend im Krankenwagen in mein "altes" und vertrautes Herzzentrum nach Hessen verlegt wurde.

 

Innerhalb von wenigen Tagen habe ich in drei Krankenhäusern in drei verschiedenen Bundesländern mit einer Gesamtentfernung von recht genau 1.000 km gelegen. Insgesamt  war ich fast drei Wochen lang auf Krankenhaus-Tournee und nach nahezu 1800 km Rundfahrt durch die Republik wieder zuhause.

 

Die hessischen Kardiologen haben sich aus Gründen einer Nutzen-/Risikoabwägung jedoch gegen eine ursprünglich geplante CRT-Device-Implantation entschieden, die eigentlich bei meiner Form der Herzschwäche durch die entsprechenden Leitlinien indiziert wäre. Der Eingriff wäre wohl zu riskant gewesen und ein möglicher Nutzen des Resychronisationsgeräts wurde in meinem Fall aufgrund der großflächigen Vernarbungen als eher gering eingeschätzt. Also habe ich nun Defibrillator Nr. 3 und eine dritte Sonde implantiert bekommen. Der Defi wurde erneuert, weil er durch die vielen Schockabgaben leergeballert war. Die BAtterie waar leer! Er hielt aber immerhin fast 9 Jahre und hat mir in den ersten Jahren mehrfach durch adäquate Schockabgaben das Leben gerettet. Die beiden alten und defekten defekten Sondenkabel konnten leider nicht entfernt werden, da sie zu fest im Herzmuskel verwachsen sind. Das ist eher suboptimal, aber leider nicht zu ändern. Blöderweise schließt deswegen die Mitralklappe nicht mehr richtig. Die OP verlief jedoch aus Sicht der Ärzte wohl ganz zufriedenstellend und ich bin natürlich superglücklich, wieder einigermaßen wohlauf zu sein.

 

Jetzt muss ich mich erstmal von den ganzen Strapazen erholen. Ich bin fix und alle - auch im Kopf!

 

Übrigens: Ein Defibrillatorschock mit maximaler Stärke ist nicht sonderlich lustig ...

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Dirk (Freitag, 15 März 2019 23:40)

    Oh Mann...
    Was widerfährt dir noch alles? Ich wünsche dir alles Gute und auch etwas mehr Glück! Du könntest es gut gebrauchen.

    Grüße aus Frankfurt
    Dirk